Bei der Ernte wurden die Zitronen nach ihrer Größe in die Klassen fine, sopraffine, scarto, scartarello und cascaticcio geordnet; die Zitronen der Klassen fini und sopraffini sowie die besten Früchte der Klasse scarto waren für den Export nach Ungarn, Tirol und in den naheliegenden Ortschaften bestimmt, wobei man "die Früchte der vierten Klasse und ihre weniger noblen Verwandten in Italien verkaufte, während die letzte Klasse nur selten über die Grenzen der Provinz ausgeführt wurden."
Daher ergaben sich folgende Klassifikationen: fine zur Ausfuhr nach Polen, fine zur Ausfuhr nach Ungarn, fine zur Ausfuhr nach Russland, sopraffine zur Ausfuhr nach Österreich, sottofini zur Ausfuhr nach Wien, scarto als Handelsware, scarto zum Verkauf in Mailand, etc. mit jeweils unterschiedlichem Preis, der pro Hundert Zitronen festgelegt wurde. Das Obst wurde in Papier verpackt und in Holzkisten gelagert; jede Kiste enthielt zwischen 500 und 1000 Zitronen. Besondere Umsicht kam dem Transport zu, der einen ausschlaggebenden Faktor für den Erfolg des Handelsgeschäfts darstellte. Um die Qualität der Früchte nicht durch Stöße zu beeinträchtigen, mußten Auf- und Abladung mit besonderer Vorsicht erfolgen. Je ferner das Ziel des Transport war, umso größer waren natürlich die entsprechenden Risiken. Der Handel in Richtung Norden erfolgte über Torbole Nago und Bozen mit seinem Obstmarkt ; durch die im Vergleich zu aus Genua oder Süditalien stammenden Zitronen niedrigeren Transportkosten waren die besten Voraussetzung für die Ausfuhr nach Deutschland, Nordeuropa und Rußland gegeben.
Anfang des 18. Jahrhunderts gründete Gian Domenico Bettoni in Bogliaco die auf den Zitrushandel spezialisierte Firma 'G. Francesco Bentotti' , die so gut wie überall in Italien sowie in Nord- und Osteuropa Handelsvertreter hatte. Im Archiv der Firma Bettoni werden heute noch die Eintragungen und Unterlagen zur Korrespondenz zwischen dem Unternehmen und seinen Handelsvertretern sowie die Bilanzen und der Schriftverkehr mit der Anschrift der Empfänger aufbewahrt, die u.a. in Wien, Prag, Krakau, Warschau, Leopoli, Ulm, Kostanz, Triest und Mailand saßen. Ab dem 17. Jahrhundert war das Seeufer im Norden von Salò (das beinahe dem 46. Breitengrad entspricht) das nördlichste Anbaugebiet für Zitrusfrüchte der ganzen Welt. Die Zitronen des Gardasees wurden für ihre 'medizinischen' Qualitäten und für ihre 'Säure', das 'fruchtige Aroma des Safts und der Schale' sowie für 'die längere Dauer ihrer Frische geschätzt'; dazu kamen die Feinheit und Leuchtkraft der Schale und die runde Form, Faktoren, die den Zitronen des Gardasees den doppelten oder sogar dreifachen Preis der aus anderen Gegenden Italiens stammenden Früchte einbrachten. Lodovico Bettoni zufolge entstand in Limone ein wahres 'Modell für den Zitronenhandel'; in einem an Giuseppe Della Casa gerichteten Schreiben der Fa. Bentotti vom 10. Dezember 1846 wird die Zitronenlieferung mit folgenden Worten als 'beste Ware' angepriesen: "Ich bin Ihnen mit Zitronen aus Limone sul Garda dienlich, den größten und farbenprächtigsten aller."