Sieben Dörfer, um diese herum weitere kleine Siedlungen und zahlreiche abgelegene Häuser: das ist das Valvestino, eine Berglandschaft, die sich zwischen dem Gardasee und dem Idrosee erstreckt. Die Anwohner, weniger als 500 verteilt auf eine Fläche von 5 000 Hektar, leben in zwei Verwaltungseinheiten: Magasa (mit dem gleichnamigen Ortskern und dem Ortsteil Cadria) sowie Valvestino mit Verwaltungssitz in Turano und vier angeschlossenen Ortsteilen Bollone, Armo, Moerna und Persone.
Die Lage im Grenzgebiet hat seit Jahrhunderten das Schicksal des Tals geprägt, und wenn man heute von den Berggipfeln aus Monte Tombea, 1.950 Meter hoch, und Monte Caplone, 1.976 m hoch und die höchste Erhebung des Naturparks im Gardaseeoberland die Naturschönheiten der Lombardei und des Trentino bewundern kann, so gehörten dieses Bergdörfer bis 1915 zu Österreich-Ungarn. Die Grenze verlief einstmals entlang dem Stutzbach Droanello, wo noch heute eine Gedenktafel an den Lauf der Geschichte erinnert. In den vergangenen Jahrhunderten gehörte das Valvestino den Grafen von Lodrone und das Gebiet verband das Reich der Habsburger mit der Republik Venedig. Über lange Zeit war das Leben dieser Dörfer von fast vollständiger Isolation gekennzeichnet und die schlechte Anbindung an das Verkehrsnetz hatte die Abgeschiedenheit des Tals nur noch verstärkt.
Subsistenzlandwirtschaft und Viehzucht waren daher keine freie Wahl (noch heute sind einige Almen beweidet), als Alternative blieb die Suche nach einem sichereren Lebensunterhalt in der Emigration. Arbeitsplätze wurden in jüngerer Vergangenheit von der Genossenschaft Nigritellla-Orione und dem Forstkonsortium des Valvestino geschaffen.
Der Bau eines Stausees zur Erzeugung von Elektroenergie bot zu Beginn der 60er-Jahre eine gute Gelegenheit für die Erweiterung der Provinzstraße, die eine Direktverbindung zum Gardasee darstellt. Weitere Verbesserungen des Straßennetzes wurden vor kurzem vorgenommen, um den Touristen zu einem Ausflug in diese Bergwelt anzuregen (mit dem Auto, dem Mountainbike oder dem Motorrad) und um dabei die bezaubernde Strecke zu entdecken, die den Gardasee mit dem Idrosee verbindet.
Im Valvestino: Landschaft, Gastronomie und seltene Pflanzen.
Beispielhaft für die in den letzten Jahren hier vollzogenen Veränderungen ist außer der Verbesserung des Straßennetzes die Förderung des Fremdenverkehrs in Cima Rest (gelegen in 1.200 m Höhe) und in San Rocco di Moerna (1.000 m ü.d.M.). Beide Ortschaften bestechen durch ihre hervorragende Lage, wunderbare Aussichten und bieten sich an als Ausgangspunkt für verschiedene Exkursionen. Die Anpassung an die Erfordernisse des modernen Fremdenverkehrs erforderte den Einsatz von öffentlichen und privaten Mitteln sowie die Einbeziehung der beiden Gemeinden, der Comunità Parco und dem Consorzio Forestale des Valvestino. In Cima Rest von hier aus sind nicht nur der Tombea und der Caplone sondern auch Puria, Droane und andere interessante Ausflugsziele gut zu erreichen gibt es eine Bar (Tel. (+39) 0365-74067) und ein Gasthaus (Tel. (+39) 0365-74054). Seit Jahren ist hier eine Sternwarte (Tel. (+39) 0365-71449 bzw.(+39) 0365-74049) und die Herberge "Lo Scoiattolo" in Betrieb (Tel. (+39) 0365-74049), wo ebenso wie in den nahen Heuspeicher mit Strohdächern Familien und Schulklassen Unterkunft finden können (Tel. (+39) 0365-71449).
Zu den Besonderheiten des Valvestino gehört unter gastronomischen Aspekt der "Tombea" geheißene Käse. Er wird von einigen hiesigen Züchtern und insbesondere von Germano Eggiolini (Jahresertrag 15 Tonnen) in seinem Stall in Denai erzeugt. Zurzeit strebt man als Qualitätsgarantie den Absatz vor Ort unter einem offiziellen Markenzeichen an.
Der Botaniker Piercarlo Belotti hat den Steinbrech als "für das Valvestino symbolträchtige Pflanze" bezeichnet. Besondere Bedeutung kommt dabei der "Saxifraga Tombeanensis" zu: eine Blume, die in aller Ruhe zu suchen und nicht leicht zu finden ist. "Sie zeigt sich nicht überall, ist aber immer dann mit seinen vielen weißen Blüten auf harten Stielen in einem Felsspalt zu erblicken, wenn man es man wenigsten erwartet. Bewundern kann man die Tombeanensis vor allem an den Hängen des Berges Tombea. In voller Pracht ist sie zwischen Mai und Juni zu sehen.
Text: Bruno Festa Verleger: Acherdo - Rivista Lago di Garda