Gardasee: Ala, die Stadt des Samtes

Ala, die Stadt des Samtes ...ein unvergessliches Erlebnis - Ala ist die wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt der Talfurche Bassa Val Lagarina. Durch sie fließt die Etsch, deren Flusslauf weiter südlich in das Veroneser Gebiet gelangt, um nach der Schleuse von Verona die Venetische Ebene zu erreichen, wo die Voralpen zu Ende gehen. In der unverkennbaren Voralpenlandschaft sind die Berge von Schlagwald bedeckt. Tief schneiden sich die steilen Seitentäler in die Lessini-Berge im Osten (Val di S. Valentino, Val dei Ronchi) und in die Bergkette des Monte Baldo (Valle dell'Aviana, Val della Sorna).

Das Stadtbild von Ala ist vom barocken und spätbarocken Stil geprägt. Die Häuser und Paläste entlang den engen, gewundenen und mit Porphyrstein gepflasterten Wegen wechseln sich in der aus der Renaissance und dem Mittelalter stammenden städtebaulichen Anordnung mit Straßenerweiterungen und pittoresken kleinen Plätzen ab. Mit seinem durch den ewigen Lauf der Etsch gekennzeichneten Landschaftsbild ist Ala ein "Ort, der sich durch einen besonderen Zeitgeist auszeichnet" und sich seit jeher den Änderungen der Geschichte mühelos anpassen konnte. Im Mittelalter Marktstadt, erduldete sie eigensinnig die Venezianische Herrschaft und konnte im Lauf der nachfolgenden Jahrhunderte eine Seidenindustrie aufbauen, durch die sie zu Weltruhm gelangte.

Die "Stadt des Samtes", wie sie wegen der Feinheit und Eleganz ihrer Seiden und Stoffe genannt wird, hat es nicht zuletzt durch ihren soliden und aufgeklärten Adel geschafft, ihre fortschrittliche Gesinnung mit dem künstlerischen und kulturellen Wachstum zu vereinen.
Bei einem Spaziergang durch die friedlichen und menschenleeren Straßen im historischen Zentrum der südlichsten Stadt des Trentino ist es möglich, auch heute noch an den Fassaden der Herrschaftspaläste, an den imposanten, mit Masken geschmückten Portalen, in den Loggien und Höfen sowie auf den Plätzen die etwas geheimnisvolle und faszinierende Atmosphäre zu spüren, die diesen Orten innewohnte. Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert war Ala ein großes Produktionszentrum für Samt und Seide und auch heute noch bewahren das Stadtbild, die Häuser, die Straßen und die Plätze den aristokratischen und prunkvollen Charakter, der eine Epoche außerordentlichen Reichtums und wirtschaftlicher und sozialer Lebendigkeit heraufbeschwört.

Als die Stadt Ala im 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden und berühmten Zentrum wurde, erlebte sie eine vollständige Umwandlung. Die reichsten Familien dekorierten und verschönten ihre Häuser mit Marmor, Stuck und Gemälden. Die Seidenspinnereien mit ihren vom Wasser des Gemeindegrabens bewegten Rädern, die Färbereien und die Walkmühlen wurden zu bezeichnenden Merkmalen des Handwerksgebiets. Die Handelsbeziehungen mit den Adels- und Fürstenfamilien Zentraleuropas beeinflussten das kulturelle Ambiente. Die Adligen trafen sich in Musik- und Literaturzirkeln, luden Musiker, Sänger und Dichter in ihre Häuser, hielten zu berühmten Persönlichkeiten Beziehungen und schlossen mit ihnen Brieffreundschaften, unter ihnen Kaiser Josef II., Maria Teresa von Österreich, Napoleon Bonaparte und W.A. Mozart, der bei einem Aufenthalt während seiner zweiten Reise in Italien in einem Saal des Palazzo de Pizzini von Hohenbrunn "Musik machte".

Ala bietet auch eine bezaubernde Landschaft mit zahlreichen Touristikpfaden, so z.B. Besichtigungen der Weinkeller und des im Hügelland angesiedelten Weinbaus sowie Ausfl üge vor den Stadttoren auf der Suche nach dem Frieden der Kultstätten wie die über Marani gelegene Wallfahrtskirche S. Valentino und die alte Pfarrkirche S. Margherita. In der Valle dei Ronchi kann die charakteristische Schmiede Cortina besichtigt werden. Anschließend können die "Kleinen Dolomiten" mit ihren Schutzhütten Fraccaroli, Capanna Sinel, Scalorbi und Pertica erwandert werden. Ala bietet somit die Möglichkeit, kulturelle Ereignisse mit Ausflügen in einer herrlichen und unberührten Natur zu vereinen. Ala beabsichtigt seit einigen Sommern, die große Saison der Seide, der Seidenraupenzucht und der von diesem Produkt gewonnenen herrlichen Samtstoffe mit einer die alten Zeiten hervorrufenden Veranstaltung wiederzuerwecken, die den Namen "Ala Città di Velluto" (Ala, die Stadt des Samtes) trägt. Durch die Verbindung von Geschichte, Kunst, Schauspiel, Tourismus und Unterhaltung ist es der Stadt Ala gelungen, ihre historischen Güter und Kunstschätze einem großen Publikum näher zu bringen.


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Text: Alvaro Joppi
Foto: BAMS photo Rodella - Archivio Comune Ala
Verleger: Acherdo - Rivista Lago di Garda
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