Die Pfahlbauten und das Museum in Molina di LedroDie Pfahlbauten und das Museum in Molina di Ledro

Die wenigen Funde erlauben nur begrenzte Rückschlüsse auf die körperliche Konstitution der Menschen. Ausgehend von anderen Pfahlbautenbewohnern der Bronzezeit darf man eine Durchschnittsgröße von 156 Zentimetern annehmen. Auch im Ledrotal, wie in den anderen vorgeschichtlichen Pfahlbautensiedlungen, hat man das Fehlen von Gräbern festgestellt.
Daraus kann man schließen, daß die Pfahlbautenbewohner ihre Toten verbrannten. Wann haben die Pfahlbautenbewohner den Ledrosee besiedelt? Die Meinungen darüber gehen auseinander: die älteste Geschichtszahl, die den Beginn der Besiedlung anzeigt, liegt zwischen 2000 und 1800 v. Chr., die jüngste zwischen 1500 und 1200.

Der SteinzeitValle di Ledro Der Stein

Der zersplitterte, geglättete und grob bearbeitete Stein stellt neben dem Holz ein Gebrauchsmaterial dar, das sich seit dem Beginn der Menschheit für alle Werkzeuge und Utensilien eignete. In den Pfahlbauten von Ledro, die während der Bronzezeit ihre Blüte in Molina erreichten, ist die fortdauernde Nutzung von Stein als verbreitetem Gebrauchsmaterial in verschiedenen Bereichen deutlich belegt. Die kleinen Gegenstände aus Feuerstein beweisen, dass aus diesem Material, das sich wegen seiner Härte und Sprödigkeit gut dazu eignet, Dolche mit Lorbeerblattspitzen, kleine Pfeilspitzen und Schaber hergestellt wurden, die echte Raritäten darstellen.
Von den normalerweise kleinen Beile vom "Bügeleisen"-Typ mit einem Loch für den Stiel wurde nur ein Exemplar geborgen. Aus Sandstein sind die Poliersteine und die Bruchstücke von Formen für den Bronzeguß. Aus den Felsblöcken und den kristallinen Geröllsteinen, aus denen die hiesige eiszeitliche Moräne besteht, sind einige häufig verwendete Geräte gefertigt worden: die Herdsteine, die meist aus Granit sind, die Steine zum Getreidemahlen, Keulen und Hämmer. Die Bernsteinperlen, auf die man in den abgelagerten Schichten recht häufig trifft, dienten zweifellos als Schmuck.

Über ihre Herkunft kann man nichts Genaues sagen, obwohl die Annahme berechtigt erscheint, daß der Bernstein durch die Handelsbeziehungen mit den böhmischen Pfahlbautenbewohnern hierher gekommen ist.

WebarbeitenValle di Ledro Webarbeiten

Webstuhlgewichte, Wirtel, die manchmal mit Punkten verziert sind, Webkämme, Nadeln aus Knochen sowie Stoffstreifen geben eine ausreichende Auskunft über die Technik des Webens. Der Stoff wurde aus reinen Leinenfäden gewebt, und zwar manchmal recht dicht und manchmal lockerer. Es wurden Fetzen in aufgerollten Streifen oder übereinandergelegten Vierecken geborgen. Ein wichtiges Fundstück ist ein richtiger Gürtel.

Er ist vor allem deshalb von Interesse, weil der Muster am Rand ohne Unterbrechung mit dem Gewebe verwoben ist, was die Verwendung eines offensichtlich recht kleinen Webstuhls vermuten lässt.
Wir können uns auch vorstellen, auch wenn es hierfür keinen Beweis gibt, dass die für die Bekleidung bestimmten Webwaren gefärbt wurden, und zwar wahrscheinlich mit aus Pflanzen gewonnenen Farben, wie es schon in Vorzeiten üblich war. Es muss erwähnt werden, dass wahrscheinlich nur deshalb keine Wollgewebe geborgen werden konnten, weil diese leicht verwesen.

Die NahrungsmittelValle di Ledro Die Nahrungsmittel

Wenn wir die Speisereste anschauen, die gefunden wurden, können wir uns ein recht klares Bild von dem Lebensstandard und den Essensgewohnheiten der Vergangenheit machen. Alle Tiere wurden zur Ernährung verwendet, und wahrscheinlich wurde das Fleisch völlig von den Knochen gelöst. Das Knochenmark und das Hirn stellten nahrhafte Lebensmittel dar, wie die Funde zerbrochener Schädel und langer Knochen beweisen. Man darf annehmen, dass auch Wassertiere häufig als Nahrungsmittel dienten. Die Ablagerungen von Seemuschelresten, besonders der Anodonta Mutabilis Cless, die geborgen wurden, beweisen ohne Zweifel, dass auch die Wasserfauna der Ernährung diente. Die am häufigsten aufgefundenen pflanzlichen Speisen hatten sich häufig auf dem Boden der Töpfe abgelagert.

Die zahlreichen angebauten und natürlich wachsenden Früchte und Beeren waren auch eine sichere Nahrungsquelle: Haselnuss, Erdbeere, Himbeere, wilde Birne, Holunder, Kornelkirsche usw. Die Samen der Kornelkirsche, die in großer Menge gefunden wurden, zeigen uns, dass diese Frucht viel verwendet wurde. Es ist wahrscheinlich, dass sie zur Gärung gebracht und aus ihr ein alkoholisches Getränk zubereitet wurde.

Das HolzValle di Ledro Das Holz

Bei allen alten Alpenvölkern hat das Holz eine erstrangige Rolle unter den Gebrauchsmaterialien gespielt. Abgesehen von der leicht verständlichen Verwendung beim Bau der Hütten, der Schutzzäune usw. eignete sich das Holz, das die Pfahlbautenbewohner im Ledrotal meisterhaft bearbeiten konnten, auch zur Herstellung der meisten Haushaltsgegenstände, Jagd- und Verteidigungsgeräte, Boote usw. Wir können uns auch vorstellen, daß die Geräte noch vielfältiger und zahlreicher waren, als es uns die Funde beweisen.

Das Holz wurde entweder direkt mit der Klinge bearbeitet, wenn es sich um Gegenstände von beschränkter Größe handelte, oder die Form wurde zuerst unter Zuhilfenahme des Feuers vorbereitet und dann durch Schneidewerkzeuge und glättende Schleifverfahren weiter bearbeitet. Die am häufigsten vorkommenden Gegenstände sind Näpfe, Pfannen, Hackbretter und Griffe, deren Zweck nicht immer einwandfrei festgelegt werden kann. Die meisten dienten wahrscheinlich zur Speisezubereitung. Als Waffen sind die Keulen mit kugelförmigem Kopf, jene eigenartigen spindelförmigen Gegenstände, die als Bumerangs beschrieben werden, und die Holzbögen anzusehen. Die Verwendung von Holz in der Landwirtschaft bezeugt uns der berühmte Fund eines Pfluges mit kräftiger Spitze und einer Zugstange. Funde von großem wissenschaftlichen Wert sind auch die Einbäume.

Die Werkzeuge aus Horn und KnochenValle di Ledro Die Werkzeuge aus Horn und Knochen

Vielfältige Dienste leisteten die Geräte aus Horn und Knochen. Aus den Fußwurzel- und den Ellbogenknochen verschiedener Tierarten stellte man Ahlen und Pfrieme und manchmal auch Werkzeuge her, die die Größe und den Zweck echter Dolche hatten. Aus den Knochen wurden kleine Spachteln, Nadeln, Zierreifen, Spangen und Manschetten für Bogenschützen herstellt.

Auf vielfältige Weise wurde das Hirschhorn verwendet, dessen relative Häufigkeit nicht überrascht, wenn wir bedenken, dass diese Tiere alljährlich ihr Geweih wechseln. Aus Hirschhorn sind Hämmer, Schlägel oder auch Stiele für steinerne oder metallene Geräte. Horn und Knochen wurden durchbohrt und mit einem Holzstiel versehen. Außerdem bildeten die seitlichen Äste ein Gerät, das zum Modellieren der Keramik benutzt wurde. Aus Hirschhorn sind auch zwei elegante Webkämme.

Die KeramikValle di Ledro Die Keramik

Die zahlreichen und vielfältigen handgemachten Gegenstände aus Keramik, die in Ledro geborgen wurden, weisen verschiedene Formen auf. Die im allgemeinen grobe und durch verschiedene mineralische Zuschläge magere Tonmischung zeigt sich hier oft fein, gut geglättet und poliert. Die Farbe ist immer dunkel: schwarz, bräunlich oder rötlich. Nur manchmal ist sie heller, wenn die Töpferwaren durch Feuersbrünste zu stark gebrannt worden sind. Die Keramiken haben sehr verschiedene Größen.

In einer statistischen Bewertung der Häufigkeit nehmen die großen kegelstumpfförmigen Krüge für Esswaren den ersten Platz ein. Diese Krüge sind fast immer nach Art der Schnurkeramik verziert; meistens ist die Dekoration reliefartig heraus gearbeitet, manchmal ist sie aber auch aufgelegt und zieht sich spiralförmig um das ganze Gefäß. Die einfache geometrische Dekoration entspricht durchaus dem heutigen Geschmack. Häufig traf man auf verschiedene kleinere Krüge, Schalen und Tassen, die dank ihrer kleinen Größe oft noch vollkommen heil waren.

Ebenfalls aus Ton sind die folgenden Geräte, die wir ihrer Häufigkeit nach aufzählen möchten: Webstuhlgewichte, Wirtel, Schwungringe, Schöpflöffel zur Entnahme der geschmolzenen Bronze, Teller mit leicht nach oben gebogenem Rand, "zuffoli", eine Art von Pfeifen, die das Endstück der Rohre zum Feueranfachen bildeten, kleine rundliche Scheiben, die als Pfand bei Spielen gedient haben mögen, kleine rechteckige Stücke mit Markierungen und Punktierungen, die vor dem Brennen eingedrückt worden sind. Als Kuriosität mag erwähnt werden, daß sehr häufig ein Klebstoff zum Ausbessern oder zum Dichten der Töpferwaren verwendet wurde, und das auch bei Rissen, die sich über das ganze Gefäß zogen. Es handelt sich um den gleichen Kitt, der zur Befestigung von Steingeräten an Holzgriffen oder von Verzierungen an verschiedenen Gefäßen verwendet wurde. In den verschiedenen Ausgrabungsschichten sind mehrere kleine Mengen dieses Klebstoffs, die in ihrer Gestalt Tannenzapfen ähneln, gefunden worden. Laut den Analyseergebnissen bestehen sie aus Terpentinharz und einem unbestimmbaren zermahlenen Zusatz.