"Heute abend hätte ich können in Verona sein, aber es lag mir noch eine herrliche Naturwirkung an der Seite, ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt". Dies sind die Worte, die Goethe am 12. September 1786 in sein Reisetagebuch schrieb. Torbole ist das erste Dorf, in das er kommt: "Wenn man hinabkommt, liegt ein Örtchen am nördlichen Ende des Sees und ist ein kleiner Hafen oder vielmehr Anfahrt daselbst, es heißt Torbole".
In seiner Beschreibung scheint das Leben der Einwohner einem echten Schlaraffenland zu gleichen, wo die Türen unverschlossen sind und nur Ölpapier die Fenster schützt. An dieser Stelle erwähnt er auch erstmalig die Zitronenbäume neben den Feigen und Birnen, die er so gerne hat. Am nächsten Tag bricht er mit seinem Boot Richtung Süden auf, doch der ungünstige Wind zwingt ihn dazu, in Malcesine anzulegen: dem ersten Dorf der Venezianischen Republik. Im Buche können wir die Chronik eines kleinen Zwischenfalls nachlesen, den es mit einem Gendarme gegeben hatte, der jedoch dank des Eingreifens der Bevölkerung und eines gewissen Gregorio, der einst im Dienste der Familie Bolongaro in Frankfurt gestanden hatte, überwunden werden konnte. Die Angelegenheit ist gelöst und der Dichter fährt nach einer Stadtbesichtigung nach Bardolino weiter. Es handelt sich hierbei um wenige, aber sehr prägnante Seiten, die voller Ereignisse sind. Der Gardasee wird in seiner urtümlichen Schönheit beschrieben, Goethe ist begeistert von der großen Weite und von der majestätischen Herrlichkeit der Berge, die ihn umgeben. Er beschreibt die Leute und die Dörfer in ihrer einfachen Lebensart, die keine unnötigen Probleme kennt.
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