Zitronengärten, ein Wunder vom Gardasee

Wer die nördlichste Strecke der westlichen Gardaseestraße entlangfährt, entdeckt sie, die langen Pfähle, die sich über zehn Meter in den Himmel recken. Sie stehen da und legen Zeugnis ab, Zeugnis von einem inzwischen fest mit dem Gardasee verbundenen architektonischen Phänomen und Zeugnis von dem starken Willen des Menschen, die Möglichkeiten des Anbaus und des Handels von Zitrusfrüchten, von Zitronen, auszunutzen.

Es handelt sich um die charakteristischen Gewächshäuser, die im hinteren Bereich und an den Seiten durch Mauern geschützt sind, während ihre Vorderseite und das Dach mit Holzbrettern abgedeckt sind, die von Frühling bis Herbst entfernt werden.

Das damit die Sonne die Zitronenbäumchen wärmen kann, die in den Gewächshäusern gut behütet heranwachsen. Man möchte es kaum glauben, aber Zitronenbäume, Zitronatbäume und Bergamottenbäume werden hier nur wenige Kilometer vom 46. Breitengrad tatsächlich angebaut. Und das bereits seit über 700 Jahren, seitdem nach der Überlieferung der Heilige Franziskus mit seinen Mönchen in der Umgebung des Sees mit dem Anbau der Zitronen begann. Im Laufe der Jahre und in Anbetracht des Gardaseeklimas, das zwar mild ist, jedoch nicht mit dem von Süditalien zu vergleichen ist, welches den Zitrusfrüchten erlaubt, unter freiem Himmel zu gedeihen, hat sich der Anbau von Zitrusfrüchten im Gewächshaus als echter Industriezweig entwickelt. "Giardini di limoni" (Zitronengärten) wurden sie einst genannt, heute nennt man sie der Einfachheit halber Limonaie (Zitronengewächshäuser).
Und ihre Arme klettern in den Himmel, Stein um Stein, um die Sonne und die Wärme einzufangen, die dieses kleine Gardaseewunder möglich machen. Es gab Hunderte von ihnen, inzwischen sind aber nur noch wenige übrig geblieben, um von der blühenden Industrie zu erzählen, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts florierte, als die unter dem Namen Gummose bekannte Krankheit die Zitrusfruchtzucht am Gardasee in die Knie zwang. Ein paar noch gut erhaltene Einrichtungen sind jedoch noch in Betrieb und können besichtigt werden. Und die Liebhaber fehlen nicht, sagen uns die Zahlen.

In Limone sul Garda zum Beispiel wurde vor drei Jahren das Zitronengewächshaus Castel restauriert, das 2007 an die 60.000 Besuchen verzeichnen konnte: ein Erfolg, der, wenn auch nicht in dieser Größenordnung, vorherzusehen war. Tausende von Personen haben für nur einen Euro die Erinnerung einer langen Geschichte mit nach Hause genommen. Die Einrichtung wurde dem Museumspool des Oberen Gardaseeparks angegliedert, wodurch der Komplex unter den Aspekten von Tradition und Kultur eine wichtige Bedeutung erlangt hat, die zu der in der Vergangenheit eingenommenen Bedeutung hinzukommt, als diese Gewächshäuser eine überaus wichtige Realität für die Arbeitsmöglichkeiten und daher für die lokale Wirtschaft darstellten.

Der Bau der Zitronengärten begann zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Zitrusfrüchte waren nicht nur für die Bewohner des Gardasees bestimmt, sondern auch für die Märkte in Nord und Mitteleuropa, wo sie in Wien, Prag und Sankt Petersburg ihre Abnehmer fanden. Das Gewächshaus Limonaia del Castèl in Limone sul Garda ist täglich im Sommer von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, einschließlich sonntags. Im oberen Gardaseegebiet befinden sich noch mindestens zwei weitere bedeutende Einrichtungen dieser Art. Die erste liegt bei Tignale auf Hafenhöhe in der Ortschaft Prà de la Fam. Sie ist von der westlichen Gardaseestraße aus leicht zu erkennen und verfügt über einen Parkplatz direkt vor dem Eingang.

Viele der Felder sind noch produktiv, nachdem sie die Berggemeinschaft (Comunità Montana) vor etwa zwanzig Jahren instand gesetzt hat, und können besichtigt werden. Für Besichtigungen können bei der Comunità Montana (Tel. 0365-71449) Informationen eingeholt werden. In Gargnano ist hingegen der private Zitronengarten von Giuseppe Gandossi operativ, einem leidenschaftlichen "Gärtner", der auch gerne Führungen durchführt (Tel. 0365-71840). Einen weiteren Zitronengarten gibt es in Torri del Benaco am Veroneser Ufer.


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Text: Bruno Festa
Verleger: Acherdo - Rivista Lago di Garda

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