Legendäre Suggestionen - Es gibt Orte, an denen Legenden und Mythen der Volksfantasie entspringen. Diese Legenden und Mythen werden von Generation zu Generation weitergegeben und bereichern sich so mit Phantasie und persönlichen Eindrücken, was dazu beiträgt, dass die Erzählungen immer faszinierender und suggestiver werden. Der schöne Gardasee mit seiner traumhaften, aus einem klaren mediterranen Licht entstehenden Atmosphäre war Ursprung unzähliger Legenden, die an mythologische Gestalten und Heilige, an berühmte Persönlichkeiten aus der Geschichte oder auch an "gewöhnliche" Menschen aus dem Alltag anknüpfen. Dabei entwickelte sich eine Handlung, die zu einem wahren Wegweiser wird, der uns zu den faszinierendsten Orten der Landschaft im Umkreis des Gardasee geleitet, wie eine Wiederentdeckung des Gebiets, die jedoch einer neuen, suggestiven, von Zauber und Magie geprägten Sichtweise folgt. Ein Ort, der leichter vom See als vom Festland aus zu erreichen ist, ist die Landklause San Sivino auf dem Bergrücken der Küste zwischen Moniga und Manerba del Garda, heute von Wohnanlagen, Campingplätzen, Feriendörfern und einigen noch verbliebenen Weingärten umgeben, jedoch mit einer fantastischen Aussicht auf den unteren Teil des Sees, auf die Halbinsel Sirmione und auf das südliche Seeufer in der Provinz Verona.
Am Türpfosten der Klause ist ein Stein eingemauert, in den eine Hand, ein Kreuz und ein Fuß eingemeißelt sind, die an einen Pakt erinnern sollen, den der Müller Marco der Legende nach um das Jahr 1200 mit dem Teufel getroffen haben soll. Da sich der Müller in Schwierigkeiten befand, versprach ihm der Teufel als Gegenleistung für seine Seele Reichtum und Wohlergehen.
Etwas weiter, am westlichen Seeufer, beinahe am Fuße der Felsenfestung Rocca di Manerba, liegt die Insel San Biagio, allgemein unter dem Namen "Kanincheninsel" bekannt. Sie bringt uns eine Legende in Erinnerung, nach welcher der Abt Ermoaldo über das Wasser geschritten sein soll und damit seine Unschuld gegenüber den ungerechterweise gegen ihn erhoben Anschuldigungen bewies.
Etwas weniger sagenumwoben dagegen ist vielleicht das Ereignis, das zum Namen der hinter der Ortschaft Gargnano im Gebiet von Tignale gleich am See gelegenen "Prà de la fam" (Hungerwiese) geführt haben soll. Hier treffen wir auf vereinzelte Häuser, eine Wirtsstube, einen kleinen Hafen, ein Zitronengewächshaus und einen in der Nähe entspringenden Gießbach und gehen über einen unwegsamen, von Zypressen gesäumten Weg, der steil den Berg hinaufsteigt und uns schließlich bis ins Dorf führt. Man erzählt von Fischern, die von einem jener heftigen Stürme überrascht wurden, die der Gardasee hervorbringen kann. Es gelang ihnen nicht, wieder in den Hafen zurückzukehren, von dem sie losgesegelt waren, und ihr Boot kenterte und zerschellte. So wurden sie schließlich an das Seeufer gespült, das damals noch abgeschieden und öde war. Hier blieben sie erschöpft, verfroren und ohne Nahrung mehrere Tage lang liegen, bis andere Fischer sie, während sie um ihr Leben bangten, vom See aus sichteten und retteten.
Eine weitere suggestive Etappe auf unserer phantasievollen Reise ist Campione, eine Ortschaft, die vom 19. Jahrhundert bis vor einigen Jahrzehnten ein kleines Städtchen mit einigen Fabriken war, heute jedoch das Reich von Surfern und Seglern ist. Hier soll sich einer alten Legende zufolge Erculianus, zuvor Bischof von Brescia, in eine Klause zurückgezogen haben. Eines Abends bat er am Ende einer Fastenzeit seinen getreuen Diener, einen Fisch zu fangen, den er dann mit ihm am Abendtisch teilen wollte. Der Diener kam mit vier schönen Gardaseeforellen zurück, die er sogleich auf den Rost legte. Doch für den Einsiedler waren es zu viele Fische, und so gebot er seinem Diener, einen Fisch zu behalten und die anderen drei, obwohl sie schon gegrillt waren, wieder in den See zu werfen. Sobald diese das Wasser berührten, lebten sie wieder auf, schnellten rasch davon und verschwanden in der Ferne.
Doch auch die Erzählung zum Ursprung des Namens Limone sul Garda geht von einer schönen Legende aus. Limone und Grineo, Söhne des Königs Benacus und der Nymphe Phillis, liebten das Leben, widersetzten sich gegen alle Zwänge und wollten nichts von der Landwirtschaft und vom Fischfang wissen, zu denen sie ihr Vater bestimmt hatte. Sie zogen die Jagd auf dem Berg Baldo vor, wo sie Bären, Wildschweine, Hirsche und Damhirsche jagten. Eines Tages wurde der junge Limone von einem Wildschwein getötet. Darauf bereitete seine Mutter Phillis ein Wundermittel aus Blättern und Wurzeln einer türkisblumigen Pflanze, die sie auf den Hängen des Monte Baldo gepflückt hatte, und es gelang ihr, ihn wieder ins Leben zurück zu rufen. Der junge Limone widmete sich fortan unter der Führung der Mutter voll und ganz der Landwirtschaft, ließ sich in einer Ortschaft am Seeufer gegenüber dem Monte Baldo nieder und baute hier jene Frucht an, die nach ihm benannt wurde. Sein Bruder Grineo dagegen folgte dem Wunsch des Vaters, widmete sich dem Fischfang und wählte als Ausgangspunkt seiner Tätigkeit einen südlicher gelegenen Ort, dem er seinen Namen gab. Dieser Name wurde im Laufe zu Gargnano.
Nach der Umschiffung des Sommolago geht es über Cassone nach Malcesine. Hier gelangen wir, wenn wir zwischen Olivenbäumen und Wäldern den Monte Baldo hinaufsteigen, nach etwa zwei Stunden zur Einsiedelei der Heiligen Benignus und Carus. Der Legende zufolge wurden die beiden Einsiedler, die in Einsamkeit lebten und sich von Kräutern, Wildbeeren und Ziegenmilch ernährten, von einer frommen Frau gepflegt, die in einer nahen Grotte hauste. Dies jedoch führte zu boshaften Unterstellungen seitens der Dorfbewohner. Der Bischof von Verona rief Benignus und Carus zu sich, auf dass sie sich rechtfertigen sollten. Um vor ihm nicht mit leeren Händen zu erscheinen, säten sie in der Nacht Rüben und ernteten am Tag darauf die Früchte. Doch überzeugten sie den Bischof von ihren wundersamen Tugenden und ihrer Frömmigkeit, als sie ihre durchnässten Umhänge an einem vom Fenster in den Raum tretenden Sonnenstrahl aufhängten.
Ein anderer Ort, der zu vielen Legenden und fantastischen Erzählungen anregte, ist die Punta San Vigilio, eine der schönsten Stellen des gesamten Sees. Hier soll der "Scoglio della Stella" (Sternfels) einen zu Stein gewordenen Beweis der nicht erwiderten Liebe zwischen dem jungen Vergil, dem Enkel des Waldgottes Faunus, und der Nymphe Stella darstellen, welche auf diese Weise vom erzürnten Geliebten bestraft wurde. Schließlich standen auch die Felsenfestung Rocca di Garda und die gegenüberliegende Rocca di Manerba seit immer schon im Mittelpunkt von Legen und phantasievollen Erzählungen. Die bekannteste dieser Legend handelt von der Königin Adelheid, die hier eingekerkert und gefangen gehalten wurde.
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