Die Almen des Monte Baldo: Vorposten des Gebirgslebens am Gardasee. Die Almhütten im Gebirge der Schäfer, wie einstmals der Monte Baldo im Volksmund geheißen wurde, rufen Gefühle wach. Der Wanderweg zu ihnen ist anstrengend und führt über Straßen, Karrenwege und Pfade, die sich in den Wäldern und in der Kühle des dichten Pflanzenwuchs kreuzen und dann den Blick auf eine noch unberührte Natur freigeben. Das ist der Augenblick, in dem alle Mühe vergessen ist und Zufriedenheit das Herz erfüllt. An den Reiz der Landschaft sind Geschichten gekoppelt, die das Leben hier oben zwischen Himmel und Erde geschrieben hat, zwischen dem Azurblau vom Gardasee und dem Grün der Wälder beim sommerlichen Herdeaustrieb und bei der Pflege der Tiere. Die für den Monte Baldo typischen Almen befinden sich an den Abhängen in einer Höhe von 900 bis 1500 m und sind das Ergebnis der Angliederung des Berggebietes durch die vor Ort im Mittelalter ansässigen Völker.
Im XVII. Jahrhundert verbreiteten sich die Almen auf der Grundlage einer Verordnung der Republik Venedig. Diese Vorschrift befasste sich im Wesentlichen mit der Modernisierung der Rinderzucht und ging in Bezug auf die Land und Weidewirtschaft von den Besitzern aus, die als Angehörige der Bourgeoisie weiterreichende Kontakte zum Europa der Aufklärung und zum Fortschritt jener Epoche hatten. Bekannt sind sie auch unter dem Namen "Schiffe" des Baldo, denn aus der Ferne gesehen lassen sie an enorme Schleppkähne denken, die ihre Wege ziehen. Die gardaseeseitigen Almen unterscheiden sich durch einige Elemente.
Die Almen auf dem Monte Baldo wurden von den Gemeinden angelegt und an Viehzuchtgenossenschaften oder Adelsfamilien verpachtet, die ihre Besitzungen bis ins Gebirge ausgedehnt hatten. Typisch für die Almen des achtzehnten Jahrhunderts waren ein Wohnhaus für den Menschen und der Stall für die Tiere, dichte Tannenhaine zum Schutz der Herden (riserve), Tränken, naturgegebenene Bodenvertiefungen oder vom Menschen gegraben, von Steinmauern umgebene Gemüsegärten, Begrenzungsmauern, die den jeweiligen Besitz eingrenzten, sowie die mares, der Platz, wo die Tiere zum täglichen Melken zusammengetrieben wurden.
Die reizvollste Seite dieser gebirgstypischen Bauweise sind die baiti; Bauwerke aus vor Ort gesammelten Kalksteinen, die zum Erhalt eines Untergeschosses auf Hügeln angeordnet wurden. Das Obergeschoss mit rechtekkiger Form hatte zwei Räume. Jener zum Tal hin (logo del latte Milchraum) hatte im Allgemeinen den Boden muldenartig vertieft und Fenster, die versperrt waren von Kalkplatten oder Holzpfosten zur Gewährleistung einer korrekten Belüftung, damit die Milch nicht sauer wurde. Der zum Berg hin liegende Raum, erkennbar an einem halbrunden Kamin, ein eigenständiges Element in Bezug auf das gesamte Gebäude und logo del fogo geheißen, bot die Schlafmöglichkeiten für das Personal; hier war auch das große Feuer, auf dem riesige Kupferkessel zum Kochen der Milch standen.
Ein großer Teil der gegenwärtig 54 auf dem Berg Baldo erfassten sind vor allem wegen der Neuorganisation der Almen in diesem Gebiet ungenutzt. Sie üben aber zweifelsfrei einen Anreiz für Ausflüge auf den Spuren der Geschichte und des Wissens aus.
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