Gastronomie Gardasee: der Seefisch ist aufgetragen

Ihre majestät der Seefisch ist aufgetragen - Es gab einst eine Zeit, in der der Seefisch nahezu Verdacht erregte, als sei er eine Art unehelicher Sohn zweitrangiger Gewässer, der in Abwesenheit mangelnder Köstlichkeiten aus dem Salzwasser als schmerzvoller Notbehelf diente. Doch die Dinge haben sich geändert. Und sogar ganz erheblich, wenn es wahr ist, dass es (entgegen der Meinung von Verleumdern und schlecht Informierten) nunmehr immer schwieriger wird, an der Riviera des Gardasees Lokale zu finden, die auf ihrer Speisekarte nicht mindestens ein Gericht mit Seefisch anbieten. Und dies gilt paradoxerweise, aber nicht allzu sehr vor allem für die Sterneküche, deren kreative Gastronomieerlebnisse sich im Bereich der Süßwasserfischarten im Handumdrehen rasch vermehren: Man denke zum Beispiel an die Speisekarten der Tempel der hohen Gastronomiekunst wie Villa Fiordaliso in Gardone Riviera oder die außergewöhnliche Raffinesse einer Perle wie Il Porto in Moniga, dessen Menü ausschließlich auf Seefisch basiert.

Also alles andere als eine armselige Speise! Und im Übrigen ist vor allem dies das, was die feinfühligeren Reisenden heutzutage glücklicherweise suchen: ein Erlebnis, das sinnlich abgerundet, insbesondere authentisch und dem Angebot, das jedes Land in puncto Geschmackskultur und Eigenarten bieten kann, realitätsnah ist. Zum Glück halten noch Betriebe wie die Genossenschaft der Fischer des Gardasees stand. Es handelt sich hierbei um einen 1942 gegründeten Verein, der noch heute für all diejenigen, die ihre Kenntnisse über das Universum der Gardaseefischerei vertiefen möchten, einen unabdingbaren Bezugspunkt darstellt. Eine faszinierende Welt, die zweifelsohne ein bedeutendes Fragment der Kultur des Gardasees bildet und seit einiger Zeit eine Renaissance und Neubelebung erlebt. Ermöglicht wird dies durch die Wiederentdekkung der Würze und Eigenarten, welche die neuen Geschmackstrends kennzeichnet.

Kurzum: Der Fischer ist nicht mehr der Beruf, der vor einigen Jahren vom Aussterben bedroht war: Man bedenke, dass zur Genossenschaft des Gardasees heute 25 professionell tätige Personen zählen. 7 davon sind unter 30 Jahre alt und haben diesen Berufsweg freiwillig eingeschlagen. Und dies dank der Unterstützung einer Einrichtung, die die einzige Fischerorganisation vom Gardasee darstellt (hier müssten heute an die sechzig Fischer tätig sein) und die im Laufe des letzten Jahrzehnts eine bedeutende Herausforderung für die Valorisierung des Fischfangs ihrer Mitglieder durch den Ausbau der Tätigkeiten vom Verkauf des Frischfisches bis hin zur Verarbeitung - erfolgreich anging.

Im neuen Sitz in Garda wurden ein Zentrum für die Räucherung und eine Lagerhalle für Salzsardellen errichtet: Hierhin wurde vor Kurzem auch die Verkaufsstelle verlegt, an der man tagtäglich den ultrafrischen Fisch der Genossenschaftsmitglieder kaufen kann: insbesondere Felchen, Barsche, Sardinen, Schleien, Aale. Denn ein anderes Klischee, dem man den Zauber nehmen muss, ist die Verarmung des Gardasees: Die Genossenschaft lässt wissen, dass der Stand des Fischreichtums des größten Binnensees Italiens in Wirklichkeit gut ist und gar zu den besten der letzten Jahre gehört.
Und es kommt auch vor, dass sich hin und wieder im Netz köstliche Forellen (doch die Nachfrage nach Wildfisch ist angesichts der Vorherrschaft des Zuchtprodukts so hoch, dass er äußerst schwer zu finden ist), einige Hechte und sogar auch einige höchst seltene carpione - diese Art von Forelle ist nur im Gardasee zu finden verirren.

Ein Teil des Fangs wird, wie bereits gesagt, zu fantastischen Fertigprodukten verarbeitet, die den Zauber der Seedüfte wiedergeben und das Angebot der Verkaufsstelle der Genossenschaft bereichern: Eine absolut empfehlenswerte Kostbarkeit sind die Ravioli mit Felchenfüllung und geräucherter Schleie, innovative Erzeugnisse wie die Felchenpastete (der Versuch, die Geschmacksnuancen von einst in die gastronomische Gegenwart zu übertragen!), auch wenn ein absolutes Muss weiterhin die Ölsardinen bleiben, die lange Zeit in Salz aufbewahrt werden, bevor man sie in ein Glas abfüllt.





  Testo: Claudio Andrizzi
Verleger: Acherdo - Rivista Lago di Garda
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