Die Calchere von Tremosine, Tignale, Gargnano und Toscolano Maderno

Die "Calchére" am Gardasee - In der Trentiner und in der Brescianer Bergwelt im nordwestlichen Teil des Gardasees finden wir an den Kiesbetten der Bäche oder an den Hängen der kleinen Täler noch die Kalköfen aus alten Zeiten, die hier als "calchére" (sprich: Kalkére) bezeichnet werden.
In den zwölf Gemeinden des Trentiner Gardagebietes und im Ledrotal (Arco, Bezzecca, Concei, Drena, Dro, Molina di Ledro, Nago-Torbole, Pieve di Ledro, Riva del Garda, Tenno, Tiarno di Sopra, Tiarno di Sotto) zählt man nicht weniger als 124 Stück davon; weitere vierzig sind in den Bergen von Limone sul Garda, Tremosine, Tignale, Gargnano und Toscolano Maderno verstreut.


Wie erfolgt die Kalkbrennerei in einer "calchéra"?

Die Kalköfen sind aus praktischen Gründen gegen einen Hang "gelehnt"; sie haben die Form eines Fasses, dessen Boden einen Durchmesser von 3-5 m hat, während die Höhe 2-4 m beträgt. Die Wände sind aus feuerfesten Steinen. Die Öfen haben zwei Öffnungen, eine oben und die andere seitlich; hierbei handelt es sich um eine Art Tür, die einen Meter breit und bis zu zwei Meter hoch ist und über einen Querbalken verfügt; durch diese Tür können die Kalkarbeiter den Ofen betreten, die Kalksteine hinein bringen und den gebrannten Kalk heraus nehmen.
In diesem Ofen wird ein Loch in die Erde gegraben, das als Feuerstelle dient; darüber wird eine Art Kuppel errichtet, auf welche das Material, das gebrannt werden soll, aufgeschichtet wird: die Kalksteine oder kalziumkarbonathaltigen Steine werden im Zentrum angeordnet, wobei die größeren innen sind und die kleineren nach und nach weiter außen angeordnet werden. Daraufhin wird die Tür geschlossen und unter der Kuppel aus Erdbrocken oder Steinen ohne Kalkgehalt mit Klaubholz (normalerweise mit Reisig oder abgestorbenen Ästen von Fichten, Kiefern oder Steinbuchen) ein Feuer entfacht. Die Äste werden in Bündel mit einem Durchmesser von 30-40 cm zusammen gebunden, die 8-10 kg wiegen.
Nun sorgen zwei-drei Leute dafür, dass das Feuer in den nächsten drei bis vier Tagen nie ausgeht, damit die Temperatur im Kalkofen stets gleichmäßig hoch bleibt; oben züngeln anfangs feuerrote Flammen hervor, die gegen Ende des Brennvorgangs hellblaue Reflexe annehmen.
Der gebrannte Kalk kühlt sehr schnell ab, man braucht nur den Eingang zu öffnen und in den nächsten Tagen den Kalk abzutransportieren. Die großen und schweren Steine haben sich in weichen und leichten weißen Sand verwandelt. Normalerweise braucht man rund 180-200 Zentner Holz, um die gleiche Menge Ätzkalk zu produzieren.


Der Einsatz des Kalks

Einstmals stellten die "calchére" eine wahre Fundgrube dar. Der Kalk wurde im Bauwesen eingesetzt, wo sie die Maurer in den Beton mischten, in den Verputz, zum Streichen von Häusern, aber auch für Böden einsetzten. Der Gebrauch war im ländlichen Bereich so weit verbreitet, dass viele Bauernhöfe in ihrem Hof eine Kalkgrube, eine so genannte «busa dèla càlce» hatten, wo jederzeit etwas Löschkalk zum Einsatz bereit lag. In der Landwirtschaft wurde der Kalk als Basis für ein heute noch aktuelles Pilzbekämpfungsmittel (Bordeauxbrühe) eingesetzt und in der Industrie für Strohpapier.


Ein wichtiges Kulturgut Unter der Leitung des Architekten Osvaldo Dongilli haben sich das Stadtmuseum von Riva del Garda, die Gemeinden des Trentiner Garda- und Ledrosees und die anliegenden Dörfer dieser "Fragmente von Geschichte" angenommen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.
So sind neun Kalköfen restauriert worden. Dem Beispiel folgten dank der Unterstützung der Gebirgsgemeinschaft Comunità Montana und der Gemeinden am Gardassee auch die Brescianer Gebiete. Ziel ist unter anderem, die Leute zu einem Spaziergang zu den "calchére" einzuladen: es sind daher verschiedene Spazier- und Wanderwege ausgeschildert worden, die zu den Kalköfen führen, wo Sie auch interessante Schilder mit den entsprechenden Erklärungen finden.


Mehr können Sie hier nachlesen:

E. FRUSCA, La calchera di Drena, Drena 1991 (film in VHS);
L. CHILLONI NONES, Le calchere dell'Alto Garda e Ledro. Percorso didattico per le Scuole medie inferiori, Riva del Garda 1992; AA. VV., Le calchere del Comprensorio Alto Garda e Ledro, Riva 1994;
B. FESTA, Andar per calchere, in "AB (Atlante bresciano)" n. 29/inverno 1991, pp. 57-59;.




Text: Domenico prof. Fava
trekking gardasee gardasee trekking trekking gardasee trekking gardasee gardasee trekking trekking gardasee trekking gardasee