Inmitten der Geschichte - Welche Möglichkeiten stehen dem Touristen im Winter offen? Warum nicht der Stimme der Geschichte Gehör schenken, die anhand von Monumenten, Büchern, Zimelien, Bildern und Fundstücken aus allen Epochen von der Vergangenheit vom Gardasee erzählt? Diese Stimme stellt vergangene Episoden in den Vordergrund, die sie aus den Tiefen der tausendjährigen Geschichte hervorholt und die zum Gemeingut gehören, das mit Sorgfalt und Respekt zu überliefern ist. Wenn die materielle Kultur zur kollektiven Erinnerung wird, wachsen die Bezugspunkte der lokalen Identität zugunsten der Einwohner am Gardasee und Touristen.
Da die Erinnerung dazu tendiert, schwach und ungenau zu sein, warum also nicht auf den so zahlreich vorhandenen Spuren der Geschichte wandeln? Hier einige Vorschläge, um an den traditionellen Fixveranstaltungen mit Paraden, Ausstellungen und Vorführungen teilzunehmen, Museen und historische Säle zu besichtigen, auf Andachtswegen und strecken zu spazieren oder einen Aufenthalt in einem der historischen Wohnsitze, die in bezaubernde Hotels umgewandelt wurden, zu genießen. Mit einem Merkzettel der Ereignisse, die beim nächsten Aufenthalt im Sommer nicht versäumt werden dürfen.
Peschiera del Garda. Es kennzeichnet sich bereits seit der ScaligerÄra mit seinem unverkennbaren Profil eines befestigten und militarisierten Städtchens aus. Es war der Anblick des 35 Meter hohen Burgturms, der Dante zu seinen berühmten Versen im Inferno inspirierte (XX 7078): "Peschiera ragt dort stark ob den Geländen / Dran Bergamos und Brescias Trotz sich brechen. " Die Venezianer militarisierten Peschiera mit Bastionen und Erdwällen und die Österreicher bereicherten es in der Mitte des 19.Jahrhunderts mit Festungen und Kasernen. Von besonderem Interesse sind das Museo della Palazzina Storica, das 1923 im Beisein von König Viktor Emanuel III. eröffnet wurde und dem Ersten Weltkrieg gewidmet ist, und die beiden in Kultur und Tourismuszentren umgewandelten Militäreinrichtungen "Caserma d'artiglieria di Porta Verona" und "Forte Ardietti"
Custoza Oliosi Valeggio sul Mincio. Der 24. Juni 1866 ist mit der Schlacht bei Custoza während des dritten Unabhängigkeitskriegs in die Geschichte eingegangen. Zum Gedenken an dieses Ereignis wurde 1879 das Ossario errichtet, ein weißer Obelisk, der den Gebeinen der 4654 bei den Schlachten des Risorgimento gefallenen Soldaten (1848, 1866) ihre letzte Ruhestätte bietet. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen ereignete sich auch die Episode von Oliosi, einer Ortschaft von Castelnuovo del Garda. Vor ihrer Kapitulation hat eine Gruppe italienischer Offiziere die Fahne des 44. Regiments in Streifen gerissen und diese bis zu ihrer Rückkehr in die Heimat aufbewahrt. Öffentliche Würdenträger und Bürger gedenken der Geschehnisse jedes Jahr am 24. Juni in Custoza (sehenswert das Mausoleum mit Blick bis zu den Apenninen) und in Oliosi bei einem drei Tage andauernden Fest mit historischer Ausstellung in den Grundschulen.
Weiter westlich beginnt das Minciotal und entlang den Flussbiegungen und Moränenhügeln gelangt man schließlich zur Gemeinde Valeggio sul Mincio. Hier wird in Salionze jedes Jahr ein mittelalterliches Sommerfest in Erinnerung an das Treffen zwischen Attila und Papst Leo dem Großen veranstaltet. Während am dritten Dienstag im Juni über die Brücke Ponte Visconteo, einem außerordentlichen Militärbauwerk, das Borghetto dominiert, anstatt Pilger, Handelsleute und Soldaten 4500 Personen für eine rekordverdächtige Nachttafelrunde ziehen, bei der nicht mehr das Kanonenfeuer sondern ein freundliches Herdfeuer zur Zubereitung köstlicher Ravioli und das Hallen des Feuerwerks über der Scaligerburg die Sinne erwecken.
San Martino Solferino. Und noch weiter im Westen ragt in der Ferne der 74 Meter hohe Turm von San Martino in den Himmel. Er wurde 1893 fertig gestellt und ist Viktor Emanuel, dem ersten König Italiens, gewidmet. In dem nahe gelegenen Museum sind Fotos, Uniformen und Zimelien der beiden Heere sowie italienische Feldflaschen und eine österreichische Trommel ausgestellt. Zwischen unzähligen Weinrebenreihen der Traubensorten Tocai, Trebbiano Lugana, Pinot Bianco und Merlot gelangt man auf der Brescianer Weinstraße zur Madonna della Scoperta, einer bekannten Wallfahrtskirche und Schauplatz der Kämpfe von der Schlacht bei San Martino. Und wieder einmal war das Datum der schicksalhafte 24. Juni, doch diesmal schrieb man das Jahr 1859. Nur wenige Kilometer vom einmaligen Gebäudekomplex von Solferino entfernt liegt das Geschichtsmuseum der österreichischen, französischen und italienischen Heere, zu deren Erinnerung das Motto "uns die Erinnerung und euch die Unsterblichkeit" in französischer Sprache zu lesen ist. Und weiter geht es zum Turm Torre Gonzagesca auf der Piazza Castello, der der neugeborenen Freundschaft zwischen Italien, Frankreich und Österreich, von der die Kirche San Luigi Gonzaga Zeugnis ablegt, gewidmet ist. Der Vertretungssitz des Roten Kreuzes und die Inschrift "inter arma caritas" erinnern daran, dass hier die Gräuel der Schlacht das Erbarmen des Schweizers Henry Dumant hervorgerufen hat. In Castiglione delle Stiviere lädt im Anschluss das internationale Museum zu einem Besuch ein.
Und dann noch ein Aufstieg bis zum höchsten Punkt des dichtbelaubten Parks, auf dem sich die Spia d'Italia mit ihren schmerzlichen Kriegserinnerungen, die von der lieblichen Landschaft und den perspektivischen Illusionen gedämpft werden, erhebt. Vom Turm aus blickt man auf die Brescianer und Veroneser Küsten, die sich auf der Höhe von San Vigilio kreuzen, und sogar der Monte Baldo und die hohen und steilen Kämme der Brescianer Berge scheinen sich von hier aus zu berühren und ineinander überzugehen.
Altogarda Trentino. Ein emblematischer Ort des Ersten Weltkriegs. Auf dem Brione, einem kleinen Berg zwischen Torbole Nago und Riva del Garda mit vier österreichischen Festungswerken, verläuft die steile PonaleStraße, die von Riva del Garda in das Ledrotal hinaufführt. Auf der Strecke liegen außerordentliche Verteidigungssysteme sowohl italienischer als auch österreichischer Herkunft. Von besonderem Interesse ist die österreichischungarische Festung Tagliata del Ponale, die vollständig in den Felsen gehauen ist. Auf dem Monte Tombio oberhalb der Ortschaft Campi sind außerdem die Reste einer Festung zu sehen, die eine der unglaublichsten Kriegsmaschinen war. Die hier vorzufindenden Kriegswege und Schützengräben (Bezzecca wartet neben einem Schützengraben mit einem Garibaldimuseum mit betreffendem Fest auf) sind inzwischen zu "Friedenswegen" umgewandelt worden und von allen Orten gibt es äußerst interessante Filme. Auf den Wegen zwischen dem Ledrotal und Riva del Garda entlang den malerischen Felswänden zu wandern, ist einfach Emotion pur.
Salò Gardone Gargnano. Die Orte sind die von D´Annunzio und von der Republik von Salò. Im Vittoriale degli Italiani, dem Symbolmonument des erlesenen Städtchens Gardone, trifft man überall im Haus und im Park auf kriegsbezogene und patriotische Erinnerungsstücke wie zum Beispiel auf das im Felsen eingebettete Schiff Puglia oder auf das legendäre Flugzeug, mit dem D´Annunzio 1918 Wien überflog. Das exklusive Hotel Laurin in Salò (ehemals Villa Simonini) war der Aufenthaltsort des damaligen Außenministers und seine herrliche Freitreppe ist häufig als Kulisse in mehreren Kurzfilmen vom Istituto Luce zu sehen. Die Villa Alba in Gardone beherbergte u.a.das militärische Übertragungszentrum und diente außerdem als Einrichtung für thermale Schlammkuren, für die der Schlamm täglich von Abano angeliefert wurde. Die berühmte Beauty Farm Villa Paradiso in Fasano war unter anderem das Quartier deutscher Offiziere. Während sich Mussolini und Petacci im neogotischen Torre San Marco, bereits Anlaufstelle von D´Annunzio, trafen, war das Panoramahotel Villa Fiordaliso die Wohnstätte von Claretta. Ihr Zimmer steht auch heute noch mit seiner ursprünglichen Ausstattung den Gästen zur Verfügung. Das wichtigste Gebäude aus dieser Zeit ist jedoch die Villa Feltrinelli in Gargnano, in der die Familie Mussolini vom 10.Oktober 1943 bis zum 17.April 1945 wohnte. Heute ist sie ein exklusives Luxushotel, das von Russen geführt wird. (Siehe "Mussolini ultimo atto. I luoghi della Repubblica di Salò, herausgegeben von Roberto Chiarini und veröffentlicht von der Gemeinde Salò, 2004).
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